Stress und BurnOut

Was ist Stress?

Evolutionär gesehen können wir uns Stress so vorstellen:

Als unsere historischen Vorfahren ihren Alltag noch nicht in klimatisierten Büroräumen verbrachten, sahen sie sich häufig äußeren Stressoren ausgesetzt. Um Gefahrensituationen wie Begegnungen mit Fressfeinden, aggressiven Artgenossen oder Waldbränden zu überstehen, entwickelten sie über die Jahrtausende eine Art Überlebensmechanismus. Dieser Mechanismus besteht unter anderem aus einer Abfolge von Hormonauschüttungen. Vereinfacht gesagt sorgt dabei ein Mix aus Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin dafür, dass Blutdruck, Blutzucker und der Muskeltonus in die Höhe schnellen. Der Organismus ist innerhalb von Sekundenbruchteilen zu Höchstleistungen fähig und somit zur Flucht oder zum Kampf bereit. 

 

Und heute?

Zugegeben, der moderne Mensch muss sich vor Fressfeinden heutzutage keine großen Sorgen mehr machen. Gewisse äußere Stressoren, wie Kälte, Hitze oder Hunger wirken jedoch auch heute noch. Zusätzlich sind viele neue Stressoren hinzugekommen: Leistungsdruck, Verkehrslärm und die ständige mediale Beschallung, um nur einige von ihnen zu nennen. Und die körperliche Reaktion darauf? Ist heute ähnlich wie damals! Tritt ein Stressor auf, reagiert der menschliche Körper mit einer Kaskade an Hormonen. Eines der wichtigsten dieser Hormone: Cortisol. Dieses wird in der Nebennierenrinde gebildet und sorgt für einen Proteinabbau in Knochen, Muskeln und lymphatischem Gewebe. In der Folge kommt es zur Glukoseneubildung und einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Für eine kurze Zeit wird der Körper hierdurch aktiver und leistungsbereiter. Finden diese Mechanismen vereinzelt statt und hat der Körper genügend Zeit zur Erholung, ist das Ganze nicht weiter problematisch. Anders jedoch verhält es sich, wenn ein Organismus stressbedingt in ständiger Alarmbereitschaft ist. Dann nämlich führen die hormonellen Reaktionen auf Dauer zu Erkrankungen wie Magengeschwüren, Schlafstörungen, Hautkrankheiten, Depressionen und nicht zuletzt zum Burnout-Syndrom, auf welches wir später noch genauer eingehen werden.

 

Lage des Hippocampus im Gehirn (Animation)
Lage des Hippocampus im Gehirn (Animation)

Was passiert im Gehirn?

Aktuelle Forschung konnte zeigen, dass Cortisol im Gehirn besonders auf eine Region wirkt, die wir als Hippocampus bezeichnen. Der Hippocampus gilt heute als entscheidende Struktur für zentrale kognitive Leistungen. Er ist die Schaltstelle zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis, hilft bei der Emotionsverarbeitung und ist außerdem an Orientierungsleistungen beteiligt. Entfernung oder Beschädigung des Hippocampus haben meist gravierende Folgen. So können Menschen ohne bzw. mit geschädigtem Hippocampus keine neuen Erinnerungen mehr ins Langzeitgedächtnis übertragen. Man spricht hier von einer anterograden Amnesie. Auch können sie keine Wegbeschreibung ihnen eigentlich gut bekannter Routen geben, da es ihnen nicht möglich ist, eine Karte vor dem 'inneren Auge' aufzurufen.

Da der Hippocampus eine sehr hohe Dichte an Rezeptoren aufweist, die auf Cortisol reagieren, wirkt sich Dauerstress hier besonders negativ aus. Studien konnten bei Probanden, die über längere Zeiträume sehr hohe Cortisolspiegel aufwiesen, einen Volumenrückgang von bis zu 20% nachweisen. Dies ist besonders erwähnenswert, weil ein Teil dieser Nervenschädigungen irreversibel sein können. Das heißt: wenn wir uns dauerhaft, und dies können bereits wenige Monate sein, großem Stress aussetzen, laufen wir Gefahr so unser Gehirn und damit unsere Gesundheit unwiderruflich zu schädigen.

 

Und was bedeutet jetzt Burnout?

Der Begriff Burnout wurde in den 70er Jahren erstmals von einem US-amerikanischen Psychotherapeuten geprägt. Dieser beschrieb die Folgen starker Belastungen, besonders in "helfenden" Berufen wie z.B. bei Ärzten und Krankenpflegern.  Diese seien nach langer Zeit der Aufopferung für ihre Patienten am Ende häufig "ausgebrannt", also erschöpft, überfordert und lustlos. Bis heute bezeichnen wir so eine ganz ähnliche Symptomatik: Menschen, die durch anstrengende Lebensumstände extrem belastet werden, bis zu einem Punkt, an dem sie das Gefühl haben, erschöpft, ausgebrannt und leer zu sein. Da sowohl die Symptome, als auch die Gründe sehr unterschiedlich ausfallen können, ist der Begriff Burnout zwar seit geraumer Zeit in aller Munde, bisher gilt er allerdings nicht als eigenständiges Krankheitsbild. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will dies mit der nächsten Neuauflage ihres internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten (ICD) allerdings ändern. In einer ersten Arbeitsversion des ICD-11 ist nun von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird" die Rede. Dies ist unter Ärzten, Psychologen und Wissenschaftlern allerdings noch stark umstritten. Es ist davon auszugehen, dass Stress der zu Burnout führt nicht notwendiger Weise arbeitsbedingt ist. 

 

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